Grundlagen der Tarifarbeit: Tarifverhandlungen

  • Foto: ver.di Jugend

„Arbeitest du nach Tarifvertrag?“ - „Wird da jetzt schon wieder gestreikt?“ Von Tarifverhandlungen hört man meist erst, wenn es kracht oder wenn es um das Ergebnis geht: den Tarifvertrag. Aber wie kommt der eigentlich zustande? Wir wollen hier Antworten darauf geben, was davor passiert: die fünf Schritte zum Tarifvertrag.

Am Anfang war das Ende. So ist es zumindest mit den Tarifverträgen. Erst wenn ihre Gültigkeit ausläuft oder sie von einer Seite gekündigt werden, beginnt der Verhandlungsprozess. Oder eigentlich bereits einige Wochen zuvor, aber grundsätzlich geht es mit dem Ende des letzten Tarifvertrags los, wenn es denn einen gab. Gibt es bisher keinen gültigen Tarifvertrag, können Beschäftigte mit ihrer Gewerkschaft natürlich jederzeit Tarifverhandlungen beginnen.

1. Fragen über Fragen
Das Ganze geht mit Fragen los. Die ver.di-Mitglieder im betroffenen Betrieb oder in der Branche sind gefragt: Welche Wünsche und Erwartungen haben sie? Wie zufrieden sind sie mit ihrem Lohn oder ihrem Gehalt? Sind die Anzahl der Auszubildenden und die Übernahme nach der Ausbildung geregelt?

Hier sind neben den Betriebs- oder Personalräten und den JAVen vor allem die Vertrauensleute und Aktiven gefordert, Diskussionen anzuregen und für ein Meinungsbild zu sorgen. Und wir als ver.di Jugend müssen vor allem den Auszubildenden und jungen Beschäftigten auf den Zahn fühlen. Denn nur wenn sich die Jugend einbringt, können ihre Forderungen später entsprechend verhandelt werden.

2. Forderungen aufstellen
Jetzt wird es langsam konkret. Auf der Grundlage der Diskussionen in den Betrieben erarbeitet die jeweils zuständige Tarifkommission einen Forderungskatalog. Hier sitzen nur ehrenamtliche Mitglieder aus den betroffenen Betrieben am Tisch. In jedem Fall auch Vertreter_innen der Jugend. Unterstützung bekommen sie aber von der tarifpolitischen Abteilung in ver.di und für jugendspezifische Forderungen haben wir in der ver.di Jugend tarifpolitische Eckpunkte entwickelt. Daran kann sich diese Kommission orientieren.

3. Forderungen verhandeln
Rechtzeitig vor dem Ende der bisherigen Vertragslaufzeit übermitteln wir dann diese Forderungen an die Arbeitgeberseite. Meist sind die einzelnen Punkte schon vorher bekannt. Schließlich haben wir sie ordentlich diskutiert. Und natürlich versuchen wir auch, die Öffentlichkeit für unsere Anliegen zu gewinnen. Also reden wir darüber.

Während die Tarifkommission mit den Vertreter_innen der Arbeitgeberseite verhandelt, machen wir als Jugend vor der Türe Alarm. Je besser wir unsere Forderungen der Öffentlichkeit vermitteln und mit guten Argumenten untermauern, desto höher ist der Druck, ihnen auch nachzugeben. Daher wird es jetzt draußen auf der Straße und vor allem in den Betrieben oder Dienststellen laut. In dieser Phase ist es besonders wichtig, alle Kolleg_innen und gerade die jungen Leute im Betrieb für uns zu gewinnen.

4. Einigung oder Abstimmung zum Streik
Wenn die Arbeitgeber klug sind und wir richtig stark, sind sie in dieser ersten Verhandlungsrunde auf unsere Forderungen eingegangen und es wird jetzt ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Leider passiert das in den wenigsten Fällen und meist braucht es drei Verhandlungsrunden bis zu einer Einigung.

Ist die Einigung am Verhandlungstisch erreicht, werden alle betroffenen ver.di-Mitglieder zur Abstimmung aufgerufen: Sollen wir streiken oder uns auf die meist irrsinnigen Forderungen der Arbeitgeber einlassen? Wenn mindestens 75 Prozent der Mitglieder für einen Streik sind, lassen wir anschließend alle Räder still stehen.

5. Streik und Einigung
Jetzt sind wir in der Jugend besonders gefordert, richtig laut zu werden. Besonders in den Betrieben, aber auch auf den Straßen und Plätzen und natürlich in den Medien. Es liegt in unseren Händen, wie viel Druck wir aufbauen und wie sehr wir besonders für unsere Jugendforderungen eintreten. Während die Aktiven also auf der Straße und im Netz für gute Bilder sorgen, verhandeln die Kolleginnen und Kollegen in der Tarifkommission weiter.

Kommt es jetzt zu einer Einigung, wird diese wieder den Mitgliedern vorgelegt und wenn nicht mindestens 75 Prozent weiterstreiken wollen, haben wir an dieser Stelle endlich einen neuen Tarifvertrag. Kommt es schon am Verhandlungstisch zu keiner Einigung, geht es erst einmal mit dem Streik weiter, bis endlich eine Einigung erzielt wird.

Bis zu einem Tarifvertrag ist es also ein ganz schön weiter Weg. Und das Ergebnis hängt von jedem und jeder Einzelnen ab. Je mehr sich alle einbringen, desto mehr kommt am Ende für uns alle raus.