Anpfiff zur Tarifrunde für Sozial- und Erziehungsberufe

  • Foto: ver.di / Kampagne "Soziale Berufe aufwerten!"

Ende September 2014 wurden die Eingruppierungsvorschriften für die Berufe im Sozial- und Erziehungsdienst durch die Bundestarifkommission öffentlicher Dienst gekündigt. Vor den nun folgenden Tarifverhandlungen in 2015 hat ver.di eine Kampagne gestartet, um Berufe im Sozial- und Erziehungswesen aufzuwerten. Die Forderungen für die Tarifrunde werden am 18. Dezember 2014 beschlossen.

Was ist eigentlich die Arbeit derjenigen wert, die manchen von uns ein Leben lang zur Seite stehen, beispielsweise bei einer schweren Behinderung? Oder wie viel müssten Erzieher_innen dafür bekommen, dass wir ihnen unsere Kinder tagtäglich bis zu acht Stunden anvertrauen können, dass auf unsere lieben Kleinen nicht nur aufgepasst, sondern vor allem ihre Entwicklung individuell gefördert wird?

Wie steht es mit unseren Eltern, wenn sie eines Tages zum Pflegefall werden? Wie viel ist es wert, wenn ein Pflegeheim oder eine häusliche Pflegekraft nicht nur ihre Versorgung sicherstellen, sondern unseren Angehörigen einen würdevollen, weitmöglich selbstbestimmten und glücklichen Lebensabend ermöglichen?

Und wie hoch müsste der Preis dafür sein, wenn uns Sozialarbeiter_innen und Jugendhelfer_innen zur Seite stehen, weil unser pubertierender Nachwuchs auf die schiefe Bahn gerät, im Drogenmilieu landet oder plötzlich an Magersucht leidet und wir als Eltern einfach keinen Zugang mehr zu unseren eigenen Kindern finden?

Höchstes Gut zu niedrigsten Löhnen?!
Hand aufs Herz: Die Leistungen von Sozial- und Erziehungsberufen sind im Grunde unbezahlbar. Und wie werden sie tatsächlich bezahlt?

In Deutschland gibt es Hundertausende von Menschen, die in diesen Berufen arbeiten. Die Einstiegsgehälter liegen zum Beispiel im Bereich der Kinderbetreuung knapp über 1.800 Euro brutto und enden bei knapp 3.100 brutto. Allerdings: Sehr viele Erzieherinnen arbeiten – meist ungewollt – in Teilzeit und somit für ein tatsächlich noch deutlich geringes Einkommen.

Im Klartext: Jemand, dem wir ganz beruhigt unsere Liebsten und uns selbst anvertrauen dürfen, kann von seinem dafür erzielten Einkommen teilweise kaum selbst überleben – geschweige denn, eine eigene Familie ernähren…

Ein absurdes Missverhältnis sondergleichen, das wir nicht mehr länger ertragen können und werden! Deshalb hat ver.di die Eingruppierungsvorschriften für den Sozial- und Erziehungsdienst im öffentlichen Dienst zum 31. Dezember 2014 gekündigt und fordert gegenüber der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) eine drastisch höhere Einstufung.

In 2015 wird neu bewertet!
Bei den kommenden Tarifverhandlungen haben wir exklusiv Gelegenheit, den Wert von sozialen und erzieherischen Leistungen tarifrechtlich neu zu beziffern. Eine deutliche Aufwertung ist unser erstes und oberstes Ziel, denn der Wert einer Arbeitsleistung wird in unserer Gesellschaft maßgeblich durch das Einkommen definiert.

Aber auch weitere Brennpunktthemen im Sozial- und Erziehungswesen nehmen wir in Angriff, denn Aufwertung erfordert nicht nur angemessene Einkommen: Auch Arbeitsqualität hat ihren Preis! So gibt es heute beispielsweise für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Dabei haben sich die Kindergruppen tendenziell vergrößert, die Anzahl der Erzieher_innen allerdings nicht. Und neu eingestelltes Personal ist überwiegend nicht ausgebildet. Quantität statt Qualität?!

Nochmal: Die Arbeit mit und für Menschen ist systemrelevant – sie realisiert unsere Grundrechte und sorgt dafür, dass unser demokratischer, sozialer Rechtstaat im Alltag stattfinden kann. Und diejenigen, die dies beruflich sicherstellen, brauchen dafür gute (Arbeits-) Bedingungen. Deswegen muss auch der entsprechende Rahmen für eine gute fachliche Arbeit geschaffen werden!

Unter neuen Qualitätsstandards verstehen wir vor allem:

  • kleinere Gruppen bzw. ein angemessenes Verhältnis zwischen vorhandenem Fachpersonal und Anzahl der Kinder
  • deutlich mehr Kindertageseinrichtungen, die auch Kinder mit Behinderungen aufnehmen können, um das Prinzip der Inklusion flächendeckend zu verwirklichen
  • stärkere Ausrichtung der Strukturen und Prozesse von Einrichtungen an den Bedürfnissen der Kinder
  • ein ganzheitliches Bildungsverständnis und ein ausreichendes Angebot zur Persönlichkeitsbildung

Viele dieser qualitativen Fragen, etwa die Gruppengrößen in Kitas, sind nicht tariflich, sondern gesetzlich geregelt. ver.di wird deshalb auch in die politische Auseinandersetzung gehen, um bundeseinheitliche Mindeststandards für Kitas zu schaffen.

Richtig gut – aufwerten jetzt!
Es bleibt also dabei: 2015 ist das Jahr der Aufwertung für Sozial- und Erziehungsberufe! Und ihr als Mitglieder könnt mitentscheiden – durch eure Aktionen während der kommenden Tarifrunde. Sie tragen bei zur Durchsetzungsfähigkeit unserer Forderungen und bestimmen damit unser Ergebnis.

Bedeutet für euch: Informiert euch, organisiert euch, werdet aktiv! Und vor allem:
Beteiligt euch an unserer Kampagne und sorgt mit uns zusammen für eine ordentliche Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe!

Wie ihr uns dabei tatkräftig unterstützen könnt, lest ihr auf www.soziale-berufe-aufwerten.de.

Aufwerten jetzt – gemeinsam stark!