Grundlagen der Tarifarbeit: Tarifregelungen

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Tarifarbeit ist unter Umständen ein recht kompliziertes Betätigungsfeld… aber keine Sorge: Deine ver.di Jugend hat alle Infos für dich und macht dich mit den Grundlagen der Tarifarbeit vertraut. Im zweiten Teil geht es um Tarifregelungen: Welche davon gelten eigentlich während der Ausbildung? Hier findet ihr alle auf einen Blick!

Grundsätzlich können über Tarifverträge alle Bedingungen und Angelegenheiten rund um die Ausbildung geregelt werden. Zur besseren Übersicht unterscheiden wir nach Zeitpunkt:

Vor der Ausbildung

  • Ausbildungsquoten

Hierbei geht es um die Anzahl der Auszubildenden im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Beschäftigten eines Betriebes. Die Ausbildungsquoten variieren nach Region, Branche und Betriebsgröße und auch von Unternehmen zu Unternehmen.

Bei entsprechenden tarifvertraglichen Regelungen einigen sich die Vertragsparteien auf einen bestimmten Mindest-Prozentsatz Auszubildender. Diese Ausbildungsquote im Betrieb kann unter Umständen auch über den Eigenbedarf hinausgehen. Bei erheblichen Veränderungen der wirtschaftlichen bzw. betrieblichen Verhältnisse wird gegebenenfalls neu verhandelt.

  • Ausbildungsplätze schaffen und erhalten

Ebenfalls in zahlreichen Wirtschaftszweigen bzw. Tarifbereichen gibt es Verabredungen über den Ausbau und Erhalt der Ausbildungskapazität.

Die Form der Vereinbarung und auch der Verbindlichkeitsgrad kann jeweils sehr unterschiedlich ausfallen. Eine entsprechende Verabredung reicht von einem Appell der Tarifparteien an die Betriebe bis zu einer verbindlichen und zahlenmäßig präzise festgelegten Vorgabe und Steigerung der Ausbildungsplätze.

  • Einstiegsqualifizierung

Sie steht allen ausbildungslosen und arbeitsuchenden Jugendlichen unter 25 Jahren offen. Die Einstiegsqualifizierung (kurz EQ) findet als eine Art Praktikum in einem Unternehmen statt und ebnet den Weg zu einem Ausbildungsplatz.

Eine EQ hält sich sehr eng an die Ausbildungsinhalte eines bestimmten Berufsfelds und vermittelt dazu die passenden Grundqualifikationen.

Wenn es im Betrieb gut läuft, werden Teilnehmende im Idealfall nach Abschluss dieser Maßnahme übernommen – die aktuelle Übernahmequote liegt bei etwa 70 Prozent. Auch eine Übernahme in die Ausbildung noch während der Einstiegsqualifizierung kann tariflich geregelt werden.

In der Ausbildung

  • Ausbildungszeit

Das ist die Zeit, die ihr täglich am Ausbildungsplatz verbringt. Die offiziellen Pausen zählen nicht dazu, dafür aber ebenfalls die Berufsschulzeit oder der Unterricht in der Fachhochschule, am Studieninstitut oder in sonstigen schulischen Einrichtungen.

Der Betrieb kann nicht einfach selbst bestimmen, wie lange Auszubildende arbeiten müssen, sondern diese Frage ist üblicherweise durch Tarifverträge geregelt, die bessere Konditionen für Auszubildende gewährleisten als gesetzliche Vorgaben.

Besteht in Ausnahmefällen für den jeweiligen Betrieb kein Tarifvertrag oder haben die Auszubildenden keinen Anspruch auf tarifliche Leistungen, weil sie nicht in der Gewerkschaft sind, so gelten die ungünstigeren Regelungen des Arbeitszeit- oder ggf. des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

  • Urlaub

Beim Urlaubsanspruch von Auszubildenden ist lediglich der Mindeststandard gesetzlich geregelt. Allen volljährigen Auszubildenden stehen demnach pro Jahr 24 Urlaubstage zu. Das sind vier Wochen, denn Urlaubstage sind im Gesetz Werktage, also Montag bis Samstag.

Unter diesen Minimal-Urlaubsmengen geht nichts – darüber aber sehr wohl: In vielen Tarifverträgen und anderen Vereinbarungen stehen bessere Zahlen. Je nach Tarifvertrag kann sich durch Wechselschichten und Nachtarbeitsstunden euer Urlaubsanspruch noch erhöhen.

  • Ausbildungsvergütung

Die Höhe der Ausbildungsvergütung muss angemessen sein. Was angemessen ist, wird normalerweise ebenfalls durch Tarifverträge festgeschrieben.

Meist ist die Vergütungshöhe nach Ausbildungsjahren gestaffelt und kann je nach Betrieb unterschiedlich hoch ausfallen. Auch hier hängt es davon ab, ob im jeweiligen Unternehmen ein Tarifvertrag zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften geschlossen wurde.

Falls ein Tarifvertrag vorliegt, ist die Ausbildungsvergütung oft Kernbestandteil solcher tariflichen Regelungen für Auszubildende – und das ist gut so, denn die Hohe der Vergütung fällt mit Tarifvertrag oft deutlich höher aus. So wurde per Tarifvertrag im öffentlichen Dienst seit 2012 eine Steigerung von 150 € monatlich gegenüber den gesetzlichen Vorgaben durchgesetzt.

Die Ausbildungsvergütung wird in der Regel in Tarifverhandlungen zwischen ver.di und Arbeitgebern immer wieder neu erkämpft. Wie hoch die Ausbildungsvergütung ist, wird wiederum im Ausbildungsvertrag festgelegt – in jedem Fall muss sie nach jedem Ausbildungsjahr ansteigen.

  • Ausbildungsqualität

Hierbei geht es um qualitative Elemente der Ausbildung, auch solche können durch Tarifverträge geregelt sein.

So werden beispielsweise die Anzahl der Ausbilder_innen oder Anleiter_innen im Betrieb festgelegt. Ebenso kann die Höhe des Büchergeldes für Auszubildende im Tarifvertrag vorgegeben sein oder Vorgaben zu notwendiger Arbeitskleidung für den jeweiligen Beruf. Beispielsweise kann ein tarifgebundener Betrieb dazu verpflichtet sein, seinen Auszubildenden Arbeitsschuhe zur Verfügung zu stellen.

Zum Abschluss und nach der Ausbildung

  • Übernahme

Ein grundsätzliches Recht auf Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung gibt es leider nicht, denn der Ausbildungsvertrag ist zweckbefristet. In manchen Branchen ist die Übernahme nach der Ausbildung allerdings im Tarifvertrag oder in sonstigen Vereinbarungen geregelt.

Dann werden Auszubildende nach bestandener Prüfung für eine bestimmte Zeit oder auch unbefristet übernommen. Zum Beispiel besteht seit 2012 im öffentlichen Dienst ein Anspruch auf unbefristete Übernahme nach der Ausbildung. Diese Übernahmegarantie konnte in der letzten Tarifrunde im März 2014 gegen den Widerstand der Arbeitgeber verlängert werden.

Einen Rechtsanspruch auf Übernahme haben Auszubildende aber nur, wenn sie Gewerkschaftsmitglied sind.

  • Weiterbildung

Tarifregelungen können auch weiterführende Qualifizierungsmaßnahmen für Auszubildende vereinbaren. Sie können während der Ausbildung und/oder nach bestandener Abschlussprüfung gelten.

Tariflich geregelt sind gegebenenfalls auch die Kostenübernahme durch den Betrieb, der zeitliche Umfang der Weiterbildung und eine evtl. notwendige Freistellung der Beschäftigten. Unter Umständen erhalten Beschäftigte, die ein (betriebliches) Qualifizierungsangebot wahrgenommen haben, sogar eine bedingte Beschäftigungszusage nach erfolgreichem Abschluss ihrer Weiterbildung.

Und noch ein kleiner Nachsatz: Zahlreiche Regelungen haben vor allem für Auszubildende keinen tarifrechtlichen Status im eigentlichen Sinne. Es handelt sich häufig um Appelle, Absichtserklärungen, Aufforderungen und sonstige Vereinbarungen. Diese haben tendenziell eher den Status einer (tarif-)politischen Selbstverpflichtung, aber bilden Basis für individuelle Tarifansprüche der Auszubildenden.

Eine schlagkräftige Gewerkschaft kann allerdings die Konditionen für Auszubildende deutlich verbessern und die vereinbarten Tarifregelegungen manifestieren. Und grundsätzlich ist jede Bewegung so stark wie ihre Mitglieder.

Das bedeutet für euch – und zwar schon während der Ausbildung: Organisiert euch, mischt euch ein, werdet aktiv und redet mit!

Wir wünschen euch eine erfolgreiche Ausbildung!