Keine 2. Klasse: Es gibt nur eine Post!

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Seit Jahren laden sich Vorstand und Aktionäre der Deutschen Post AG die Taschen mit Gewinnen und Bezügen voller und voller. Gleichzeitig heißt es für immer mehr Beschäftigte: befristete Anstellung oder Ausgliederung in Tochtergesellschaften bei gleichzeitig schlechterer Bezahlung. Der Post-Streik soll diesen Zuständen jetzt ein Ende setzen!

Bundesweit sind aktuell schon mehr als 32.000 Beschäftigte im Dauerstreik gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und die Entwertung ihrer Arbeit. Denn die Deutsche Post AG hat seit März nichts zur Konfliktlösung in Verhandlungen beigetragen. Stattdessen hatte der Vorstand in der Zwischenzeit nur gute Nachrichten für seine Aktionäre, denen er eine höhere Dividende für dieses Jahr und sogar Gewinnmargen bis 2020 ankündigte.

Dafür bluten müssen aber alleine die Beschäftigten – und das schon seit Jahren. Und es sind vor allem junge Beschäftigte, die unter den schlechten Arbeitsbedingungen bei der Post leiden!

Jung, dynamisch… ausgegliedert?!
Gerade ihren Nachwuchs behandelt die Post eher stiefmütterlich:

„Auszubildende sollen beispielsweise nur in Tochterfirmen der Deutschen Post AG übernommen werden. Und hier gibt es für sie wesentlich schlechtere Arbeitsverhältnisse als in der Muttergesellschaft, unter anderem 20 Prozent weniger Lohn“, erklärt ver.di Jugend-Vorsitzender Simon Habermaaß die Sachlage.

Ausgelagert werden sie beispielsweise in die neu gegründete DHL Delivery GmbH, dieselbe „Perspektive“ bietet der gelbe Riese auch seinen Neueingestellten.

Ihren befristeten (ebenfalls eher jüngeren) Beschäftigten hat die Post regelrecht die Pistole auf die Brust gedrückt: Weiterbeschäftigung nach Vertragsende nur für weniger Geld in einem Tochterunternehmen – oder gar nicht.

Habermaaß kritisiert das auf Schärfste: „Das können wir keinesfalls hinnehmen! Wir müssen jetzt zusammenstehen und dringend bessere Bedingungen für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Deutschen Post AG durchsetzen!“

Seit 15 Jahren Seifenblasen!
Eigentlich sollte vieles besser werden bei der Deutschen Post. Das war der Plan, als das Unternehmen vor 15 Jahren mit der Privatisierung an die Börse ging, begleitet von Werbespots mit den gut gelaunten Gottschalk-Brüdern, an die sich vielleicht die älteren Semester noch erinnern. Als Privatunternehmen wollte die Post wettbewerbsfähiger und flexibler werden, die Kunden sollten mehr Service bekommen.

Aber die Versprechen entpuppten sich als Luftschlösser. Denn im Gegensatz zu Vorstand und Aktionären müssen Kundinnen und Kunden nun mit gravierenden Verschlechterungen leben.

Und was die verkleinerte Belegschaft betrifft: Die Vorstandsetage hält die Lohnkosten bei der Post im Vergleich zu ihren Wettbewerbern immer noch für „zu hoch“.

Und zu guter Letzt: Vertragsbruch!
Dabei zeigten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Deutschen Post AG bisher kompromissbereit: Sie hatten auf Kurzpausen und arbeitsfreie Tage verzichtet, weil die Post ihnen vertraglich zugesichert hatte, die Zustellungsaufträge höchstens zu zehn Prozent an Firmen außerhalb des Post-Tarifvertrags zu vergeben.

Diese Vereinbarung hat die Deutsche Post AG gebrochen. Mit der Neugründung von bisher 49 Tochtergesellschaften unterläuft sie geltende Tarifverträge. Und anders als ausgemacht vergibt sie viel mehr Aufträge an ihre Tochterfirmen.

Unter anderem eben auch an die DHL Delivery GmbH, wo mittlerweile rund 6.000 vor allem jüngere Menschen als Beschäftigte zweiter Klasse arbeiten sollen! So erhalten Beschäftigte nach ihrer Ausgliederung viel weniger Lohn und durch den hier fehlenden Tarifvertrag haben sie weniger Schutz und Sicherheit.

Ganz nebenbei setzt die Post auch noch aktuell Beamt_innen und Leiharbeiter_innen zum Streikbruch ein!

Gemeinsam stark gegen die Zwei-Klassen-Belegschaft!
Der aktuelle Tarifkonflikt mit dem gelben Riesen ist damit der größte seit wohl 20 Jahren. Und er ist ungewöhnlich, denn die Streikenden kämpfen nicht so sehr ums Geld: Die Stammbelegschaft streikt aus Solidarität für ihre ausgegliederten und zumeist jüngeren Kolleginnen und Kollegen – damit diese keine Beschäftigten zweiter Klasse bleiben!

ver.di und die Beschäftigten fordern jetzt eine kürzere Wochenarbeitszeit von 36 statt 38,5 Stunden und 5,5 Prozent mehr Lohn als Ausgleich. Und darüber hinaus – was noch viel entscheidender ist: einen rechtssicheren Schutz vor Fremdvergabe von Aufträgen!

Ihr könnt mithelfen und gemeinsam mit uns weiter Druck machen: Was sind schließlich ein paar Wochen mit leerem Briefkasten gegen tausende Arbeitsplätze, die durch den Streik im Ergebnis gesichert werden können?  

Also, Leute: Kämpft mit und unterstützt die Streikenden! Besprecht das Thema mit eurer Nachbarschaft und in eurem Freundeskreis. Erklärt ihnen, worum es geht und bittet sie um ihr Verständnis!

Überzeugungsarbeit leistet auch unser aktuelles Video – schaut mal, was alleine 3.000 Streikende in Berlin auf die Beine stellen: