Sozial- und Erziehungsdienst: (K)ein Kinderspiel

  • Foto: ver.di / Kampagne "Soziale Berufe aufwerten!"

Demonstrationen, Interviews, Brandbriefe: Der Aufschrei der Hamburger Erzieher_innen bestätigt den Zeitpunkt und die Notwendigkeit unserer aktuellen Kampagne „Aufwerten jetzt!“ Bei der Tarifrunde 2015 fordert ver.di für die Beschäftigten in Sozial- und Erziehungsdiensten ein deutliches Einkommensplus.

„Wir wollen nicht mehr tatenlos zusehen, wie noch mehr pädagogische Fachkräfte bis zum Rand der Erschöpfung arbeiten“, heißt es in einem Brandbrief an Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, den mehr als 500 Kita-Leitende unterschrieben haben. Über 4.000 Menschen, teilweise Kinder, demonstrierten in Hamburg für eine Verbesserung des Personalschlüssels und für höhere Investitionen in die Qualitätsentwicklung der Kitas. ver.di unterstützte die Demonstrierenden und setzt sich auch weiterhin für den Sozial- und Erziehungsdienst ein: In der Tarifrunde 2015 fordern wir mehr Anerkennung und eine bessere Entlohnung!

Arbeitsleistung: unbezahlbar – Leidensdruck: unzumutbar!
Die Hamburger Kita-Leitenden beklagen seit Jahren „unzumutbare Zustände“, vor allem für Null- bis Dreijährige in den Kinderkrippen ist die Situation kritisch. Ein hoher Leidensdruck entsteht vor allem durch den in Hamburg gängigen Betreuungsschlüssel: Aktuellen studien zufolge ist in Hamburger Kinderkrippen eine Fachkraft üblicherweise für sieben Kinder verantwortlich.

Da für abwesende Erzieher_innen kein Ersatz vorgesehen ist, muss in Hamburger Kitas eine Erziehungsperson häufig sogar für zehn Kinder sorgen. Wissenschaftliche Untersuchungen empfehlen dagegen, dass sich eine Fachkraft um maximal drei Kinder kümmert.

Kita macht krank!
Derartige Bedingungen lassen kaum noch Raum für Ausfallzeiten, Fortbildung oder Vorbereitung – oft nicht einmal für Pausen oder Urlaub, wie Hamburger Erzieher_innen in einem Interview mit der „Zeit“ berichten.

Die Folge: Immer mehr Kollegen werden krank oder Arbeiten bis zum Burn-out. Viele halten nicht bis zur Rente durch. Laut einer Studie der Berliner Alice-Salomon-Hochschule mit 3.000 befragten Fachkräften erlitt jede_r zehnte Beschäftigte in den letzten zwölf Monaten einen Burn-out. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen leiden Erzieher_innen außerdem weitaus öfter unter Muskel-, Skelett- und Atemwegerkrankungen.

Haben die das verdient?
Der Stress-Level im Sozial- und Erziehungsdienst ist enorm, die Anerkennung bescheiden. Das Berufsfeld ist überfrachtet mit den Ansprüchen unserer Gesellschaft. Doch die Bezahlung der Menschen, die sich um unsere Kleinsten kümmern, passt nicht im Geringsten zu der damit verbundenen Verantwortung.

Bei einem Einstiegsgehalt von etwa 1.800 Euro brutto und einem Maximalgehalt von knapp 3.100 brutto lässt sich für die Altersversorgung nicht viel tun. Obendrein ist das tatsächliche Einkommen oft deutlich geringer ist, denn viele Erzieher_innen arbeiten – ungewollt – in Teilzeit. Dass viele Beschäftigte Zweitjobs annehmen müssen, um über die Runden zu kommen, stimmt nicht nur die brandenburgische Kita-Leiterin Silke Liebert nachdenklich.

ver.di fordert: Mehr Anerkennung für den Sozial- und Erziehungsdienst!
Zum Jahresende 2014 hat ver.di gegenüber den kommunalen Arbeitgebern die Tarifvorschriften über die Eingruppierung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst gekündigt. Für die bevorstehende Tarifrunde 2015 fordern wir, dass alle in diesem Bereich Beschäftigen besser eingruppiert werden. Die Neuregelung der Eingruppierungs- und Tätigkeitsmerkmale soll für die Beschäftigten ein um zehn Prozent höheres Einkommen bringen. Auch in der Behindertenhilfe kämpfen wir für Verbesserungen. Bundesweit werden wir außerdem an vielen Orten Aktionen starten, Aufklärung und Debatten, Elternbriefe und Warnstreiks. Mehr Infos dazu auf https://www.verdi.de/themen/nachrichten/++co++d2ae1b14-8769-11e4-9784-52540059119e.

Auch ihr könnt mithelfen! Sammelt eure Kolleginnen und Kollegen ein, beteiligt euch an unseren Aktionen vor Ort und an unserer bundesweiten Kampagne: Soziale Berufe „aufwerten jetzt“ – los geht's!